Bundesplatz 14
10715 Berlin
U + S-Bhf Bundesplatz (U9 - S 41,42,46)
Bus 248, N9
Tel.: 030 / 85 40 60 85
Europa Cinema
Eintrittspreise:
-Erwachsene 8,-- €
-Kinder (bis 12 J.) 5,-- €
-ermäßigt 7,-- €
-Kinotag: Mittwoch 6,-- €
Wir zeigen heute,
Freitag, den 19.04.2019:


11:00 Bundesplatz-Kino:
Die Wiese

13:30 Bundesplatz-Kino:
Der kleine Drache Kokosnuss 2

15:30 Bundesplatz-Kino:
Das Haus am Meer

18:00 Bundesplatz-Kino:
Christo - Walking on Water (OmU)

20:30 Bundesplatz-Kino:
Bohemian Rhapsody (OmU)

Durch Anklicken der Filmtitel erhalten Sie detaillierte Beschreibungen zu den Filmen


Impressum

Eva-Lichtspiele
Hans-Dieter Grabe

Raimund - Ein Jahr zuvor (2013)

Doppelprogramm mit zwei großartigen Dokumentarfilmen!
 
Am Sonntag 13.1. um 15.30 Uhr.

Zu Gast: Hans-Dieter Grabe


Wir zeigen zwei Filme von HANS-DIETER GRABE in einem Programm:
1. Bernauer Straße 1 bis 50 oder Als uns die Haustür zugenagelt wurde (1981)
Dokumentarfilm , 72 min.
2. Raimund - Ein Jahr zuvor (2013)
Dokumentarfilm , 40 min.

Hans-Dieter Grabe ist seit 1992 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Er ist seit 1965 mit Inger Dahl Pedersen verheiratet und hat zwei Söhne. Grabe lebt in Münchwald in Rheinland-Pfalz.

BERNAUER STRASSE 1-50 oder ALS UNS DIE HAUSTÜR ZUGENAGELT WURDE

ZDF 1981, 72 Min.
Buch, Regie: Hans-Dieter Grabe, Kamera: Horst Bendel, Ton: Hinrich Schröder, Schnitt: Elfi Kreiter

Die Bernauer Straße liegt im Norden Berlins. Wo mal die Häuser 1-50 standen, befand sich zum Zeitpunkt der Arbeit an diesem Film eine Mauer. 3,50 Meter hoch, aus Betonfertigteilen, fundamentiert, verfugt, weiß gestrichen - Grenze zwischen Ost- und Westberlin, Staatsgrenze in den Augen der DDR. Weißer Beton, der auch die Erinnerung daran tilgen sollte, wie es hier einmal aussah und was hier seit dem 13. August 1961, dem Beginn des Mauerbaus, geschehen ist. Genau diese Erinnerung will der Film lebendig erhalten – durch dokumentarisches Bildmaterial und durch Aussagen von Flüchtlingen, die oft todesmutig die Flucht von Ost- nach Westberlin gewagt haben und ihren Helfern. Zum Beispiel der Volkspolizei-Oberwachtmeister, der am 15. August 1961 beim Haus Bernauer Straße 37 in Uniform und mit Maschinenpistole über eine Stacheldrahtabsperrung sprang. Das Foto von seinem Sprung ging um die Welt. Oder der Flüchtling, der im Bereich der damaligen Bernauer Straße 50 in einer selbstmörderisch erscheinenden Aktion die Grenzbefestigungen überwand. Viele Wochen lag er im Krankenhaus. Keinen Tag für den Rest seines Lebens war er mehr schmerzfrei. Beim Sprung in der Nacht von einer ersten Mauer in die Grenzanlagen hatte er die am Boden befestigten 12 Zentimeter langen Stahlspitzen nicht erkennen können. Sie durchbohrten seine
Schuhsohlen und Füße und zertrümmerten eine Ferse.

Hans-­Dieter Grabe: Die kürzeste Aussage machte eine Mutter, die mit ihrem Sohn die Flucht durch einen 130 Meter langen Tunnel wagte: „In der Nacht, wie es hieß, morgen geht’s los, bin ich in den Garten gegangen, bis die Nacht um 2, auf und ab und hab‘ von jedem Baum Abschied genommen und bloß gebetet, der liebe Gott soll uns beistehen, dass morgen alles gut geht.“ „Von jedem Baum Abschied genommen,“ diese Worte berühren mich bis heute. Zwei Jahre vor dem Mauerbau verließ ich selbst die DDR. Noch ohne Todesangst. Aber auch mit der Trauer des Abschieds vielleicht für immer von Dingen und Menschen.

Pressestimmen

„Eindrucksvoller als alle anderen Sendungen zum 20. Jahrestag des Mauerbaues ließ dieser Dokumentarfilm die durch die Teilung der Stadt bewirkte menschliche Tragik wach werden.“
C.M. Lankau, Lübecker Nachrichten

„Wie da Erinnerung, Verzweiflung und Todesmut beschworen wurde, ohne Pathos, ja mit Nerv für Komik im Grauen, war beeindruckender als manch gutgemeinter Kommentar zum 20. Jahrestag der Mauer…“ Simon Philip, Hamburger Abendblatt

„Ein überzeugendes Bild des Schocks und Entsetzens zu zeichnen, den die Nacht- und Nebelaktion der DDR in Berlin auslöste, gelang jedoch nur Hans-Dieter Grabe mit seinem ZDF-Dokumentarfilm über die Bernauer Straße. Mit einfachsten Mitteln - er ließ fast kommentarlos die 20 Jahre alten Fernsehaufnahmen und die Beteiligten sprechen - weckte er wieder die atemlose Betroffenheit, den Abscheu vor einem Staat, der seine Bürger nur noch im eigenen Territorium einmauern kann…“
R.Sch., Ruhr Nachrichten

„…Es ist kaum vorstellbar, dass sich das ZDF heute noch die Zeit nehmen würde, erlebte Geschichte in dieser unprätentiösen Form erzählen zu lassen – ohne schrille Spielszenen, ohne dramatische Musik, unaufgeregt und eindringlich…Damit steht der Film auch für ein Genre, das heute weitgehend von schlecht gemachten Dokudramen verdrängt worden ist, die den Zuschauer durch schnelle Schnitte und actionsreiche Einspieler bei der Stange halten sollen…“
Florian Giese, friedliche Revolution.de, 18.2.2010


RAIMUND - EIN JAHR DAVOR

ZDF/3sat 2013, 40 Min.
Buch, Regie, Kamera, Ton: Hans-Dieter Grabe, Schnitt: Carla Sperber, Redaktion: Margrit Schreiber

Preis der Deutschen Filmkritik 2015

Ein Dorfbewohner nimmt sich das Leben, Hans-Dieter Grabes Nachbar. Ein Jahr zuvor hat Grabe ihn gefilmt - wie er 72jährig, allein aus einem riesigen Berg dicker Buchenstämme Feuerholz für seine Familie macht. Überrascht lernen wir in diesen Aufnahmen einen Menschen kennen voller Kraft, Zähigkeit, Arbeitsfreude, Humor und Optimismus: Raimund – ein Jahr davor.

H.- D. Grabe: "Meine Aufnahmen zeigen, was für ein Mensch Raimund auch war – vor seinem Selbstmord – bis er, und das kann vielen von uns passieren, in eine Situation geriet, in der er die Kraft zum Weiterleben verlor. Bei den Dreharbeiten und im Schneideraum haben sich mir die Bilder von Raimund, der mit den Stämmen ringt, tief eingeprägt. Noch lange werde ich ihn sagen hören: „Wenn die ganz Dicke kommen, das wird’n bisschen schwieriger. Aber die krieg ich auch noch klein. Ist mir gar keen Angst."

Pressestimmen

„…Eine Bewegung über den Tod in das Leben, die auch Hans-Dieter Grabes Film bestimmt, der in wunderbarer Lakonik Grabes langjährigen Nachbarn porträtiert… Grabes Film ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie sich aus einem streng begrenzten Konzept und einer einzigen Situation ein Kosmos entfalten kann, der über die lebendige Charakterzeichnung einer Person auch Ethos und Arbeitshaltung einer Generation beschreibt. Einer Generation, der Grabe selbst angehört…
Silvia Hallensleben, Freitag

„…Und so ist dieses präzise Porträt eines Nachbarn auch eine Meditation über das Leben selbst. Und ein kleines filmisches Meisterwerk…" Begründung der Jury, Preis der Deutschen Filmkritik

„Ich bin am Fernseher vor einem Film sitzen geblieben, der mir ein ganz neues Bild für das Leben geliefert hat…" Wolfgang Drießen, SWR, katholische Kirche

„Langsamkeit und Vorsicht, absolute Ernsthaftigkeit und Konzentration bestimmen die Abläufe…Die Person, die der Film hier porträtiert,…verströmt eine innere Gelassenheit und Zuversicht, was ihr eine eigene Würde verleiht…Insofern ist der Film eine gelungene Meditation über die Vergänglichkeit des Lebens und damit ganz besonders auch über das Alter, den letzten Lebensabschnitt."
Brigitte Knott-Wolf, Funkkorrespondenz

„…So setzt der Film diesem unbekannten Mann eine Aufmerksamkeit, eine Erinnerung, ein filmisches Epitaph. Und von Hans-Dieter Grabe, Jahrgang 1937, der die ganze Welt bereist hat, lässt sich sagen, dass er nicht aufgehört hat, die Welt und die Menschen zu erkunden, jetzt eben in seiner nächsten Nähe."
Fritz Wolf, Wolf sieht fern

Regie: Hans-Dieter Grabe
Drehbuch: Hans-Dieter Grabe
Kamera: Hans-Dieter Grabe
Schnitt: Carla Sperber
Musik: Martin Tingvall
Produktionsfirma: Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF) / 3sat (Mainz)
Produzent: Uta Bellmann